Energieausweis / Energiepass

Der Energieausweis – die energetischen Eigenschaften auf einen Blick

Energieausweis online beantragen

Bild: © Anatoly Tiplyashin, fotolia.com

Der Energieausweis stellt eine Bewertung der energetischen Eigenschaften von Gebäuden dar. Die Regelungen des Energieausweises sind in der EnEV (Energieeinsparverordnung) niedergeschrieben. Grundlage für die EnEV ist die von der EU erlassene Richtlinie 2010/31/EU vom 19. Mai 2010. Viele kennen den Energieausweis ebenfalls unter den Bezeichnungen Energiepass oder Energiesparausweis. Der Prototyp wurde durch die „dena“ (Deutsche Energie-Agentur GmbH) entwickelt und an nahezu 4.000 Gebäuden bis zum Ende des Jahres 2004 im Feldversuch getestet.

Wer benötigt einen Energieausweis?

Die EnEV regelt, das im Falle von Erweiterungen, der Errichtung und Änderungen von Gebäuden ein Energiebedarfsausweis notwendig wird. Bis auf Gebäude bis 50 qm oder Baudenkmäler muss einem potenziellen Mieter, Leasingnehmer, Käufer oder Pächter einer Wohnimmobilie unverzüglich der entsprechende Energieausweis vorgelegt werden können, wenn dieser es verlangt. Sollte ein Gebäude nur teilweise als Wohnimmobilie genutzt werden, ist es möglich, dass der Energieausweis sich in diesem besonderen Fall nur auf den relevanten Teil des Gebäudes bezieht. Bei rein zu Wohnzwecken genutzten Gebäuden ist dies nicht möglich. Bei Verstößen können Bußgelder bis zu einer Höhe von 15.000 Euro drohen. Bei öffentlichen Gebäude wie Behörden und ähnlichen Einrichtungen, die eine Nutzfläche von mehr als 250 qm haben und öffentliche Dienstleistungen für viele Menschen, die diese Gebäude aufsuchen, erbracht werden, ist der Aushang des Energieausweises Pflicht. Dieser muss von allen eingesehen werden können und daher an einer frei zugänglichen und leicht sichtbaren Stelle ausgehängt werden. Falls kostengünstige Modernisierungsmaßnahmen für das jeweilige Gebäude möglich sind, die die Energieeffizienz erhöhen, müssen mögliche Vorschläge zur Erreichung dieser ebenfalls als Zusatz zu dem Energieausweis ausgehängt werden.

Wie wird der Energieausweis erstellt?

Es existieren zwei Arten für die Ausstellung des Energieausweises: Zum einen ist die Ausstellung anhand des Energieverbrauchs des Gebäudes möglich, der während der Nutzung gemessen wurde. Zum anderen kann der Energiebedarf errechnet werden

Methode 1: Der Energieverbrauch der Gebäude

Liegen bereits Erfahrungswerte vor, dann stellt die Nutzung der tatsächlichen Verbrauchswerte für die Berechnung ein realistisches und praxisnahes Vorgehen dar. Die Mieter beziehungsweise die Eigentümer stellen ihre Heizkostenabrechnungen zur Verfügung, sodass der tatsächliche Verbrauch als Grundlage für die Berechnungen dient. Sind die entsprechenden Unterlagen nicht mehr vorhanden, dann darf auf alternative Quellen, beispielsweise telefonische Auskünfte des Energielieferanten, ausgewichen werden. Um natürliche und witterungsbedingte Schwankungen im Verbrauch auszugleichen, sollten im Minimum die letzten drei Abrechnungsperioden berücksichtigt werden. Zum einen kann sich das Heizverhalten der Bewohner geändert haben, zum anderen müssen eventuelle Leerstände ausgeglichen werden. Extremer Wetterverhältnisse werden durch eine Witterungsbereinigung einkalkuliert. Für das jeweilige Jahr und den Ort wird der Klimafaktor ermittelt und mit dem Energieverbrauch multipliziert.

Methode 2: Der Energiebedarf der Gebäude

Liegen noch keine Erfahrungswerte für den Energieverbrauch vor, dann kann dieser anhand der Gebäudedaten abgeschätzt werden. Zur Bestimmung müssen unter anderem die Bauform, die Dämmung und das Alter der Immobilien berücksichtigt werden.

Welche der beiden Methoden zur Berechnung des Energieverbrauchs muss angewendet werden?

Prinzipiell können beide Verfahren zur Anwendung kommen. Es werden allerdings Vorschriften festgesetzt:

  • Wurde der Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt und handelt es sich um ein Wohngebäude mit maximal vier Wohnungen, dann muss der Energieausweis anhand des Energiebedarfs erstellt werden. Eine Ausnahme liegt vor, sofern die Immobilie die Anforderungen aus der Wärmeschutzverordnung 1977 erfüllt.
  • Handelt es sich um kein Wohngebäude, dann hat der Besitzer ein Wahlrecht zwischen beiden Berechnungsmethoden.

Wer darf den Energieausweis ausstellen?

In § 21 EnEV ist geregelt, wer bei Bestandsgebäuden den Energieausweis ausstellen darf. Zuständigkeiten in Bezug auf Neubauten und im Falle von Änderungen an Immobilien werden nicht vergeben, diese Aufgabe ist Ländersache. Im Folgenden ist eine Auflistung dargestellt, welche sich nach § 21 EnEV richtet:

Die Energieausweise für bestehende Nicht-Wohngebäude dürfen ausgestellt werden von:

  • unter anderem Hochschulabsolventen aus den Bereichen Hochbau, Bauingenieurwesen und Physik

Zum Ausstellen von Energieausweisen für Wohngebäude sind zusätzlich berechtigt:

  • Handwerksmeister, sofern sich ihre Haupt-Tätigkeit auf die Installation, den Heizungsbau, das Bauhandwerk oder das Schornsteinfegerwesen bezieht
  • Handwerker, die berechtigt sind, oben genannte Tätigkeiten ohne einen Meistertitel selbstständig auszuüben
  • geprüfte oder staatlich anerkannte Techniker (Gebäudetechnik, Bauingenieurwesen, Hochbau), wenn sie über eine 2-jährige Berufserfahrung nach dem Studium in bau- und anlagentechnischen Bereichen des Hochbaus verfügen oder wenn einer der Schwerpunkte im Studium das energiesparende Bauen gewesen war
  • Anbieter, die über eine entsprechende Nachweisberechtigung verfügen

Welche Informationen stehen im Energieausweise?

Unter dem Punkt „Energieverbrauchskennwert“ ist der berechnete Verbrauch abgelesen werden. Die Angabe erfolgt in der Größe kWh/m². Um dem Verbraucher eine Rückmeldung zu geben, ob es sich um einen hohen oder einen niedrigen Verbrauch handelt, wird der Wert auf einen farbigen Zahlenzahl eingetragen. Die Skala reicht von 0 bis > 400 und wird in 50-er-Schritten geführt. Das Farbspektrum wechselt von Grün über Gelb bis hin zu Rot. In einer weiteren Grafik sind Vergleichswerte aufgeführt, sodass der Leser erfährt, welchen Verbrauch beispielsweise ein durchschnittliches Einfamilienhaus oder ein Passivhaus aufweist. Sofern vorhanden, wird im Ausweis auch die Verbrauchserfassung für die letzten drei Abrechnungsperioden aufgeführt.

Gründe für die Einführung des Energieausweises

Ein hoher Energieverbrauch von Gebäuden ist schädlich für die Umwelt und führt zu hohen Kosten bei den Mietern beziehungsweise den Hauseigentümern. Da der Energieverbrauch von Laien nur schwer abgeschätzt werden kann, wurde der Energieausweis eingeführt. Mieter und Käufer erhalten das Recht, sich durch den Ausweis über den Verbrauch der Immobilie zu informieren. Die Berechnungen erfolgen nach objektiven und normierten Kriterien. Dadurch können unterschiedliche Verbräuche miteinander verglichen werden.

Was passiert, wenn ich keinen Energieausweis vorlegen kann?

Der Energieausweis muss bei der Vermietung und beim Verkauf vorgezeigt werden können. Ist dies nicht möglich, dann droht ein Bußgeld. Sobald sich potentielle Vermieter auf die Suche nach Mietern begeben, muss demnach ein Energieausweis vorliegen. Hierfür müssen aller erforderlichen Unterlagen bereit gestellt werden, sodass der Energieexperte die Berechnungen ausführen kann. Die Kosten müssen vom Hausbesitzer getragen werden, können jedoch in den Werbungskosten für Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung abgesetzt werden. Spätestens 10 Jahre nach Ausstellungsdatum muss ein neuer Energieausweis beantragt werden, da die Gültigkeit auf ein Jahrzehnt beschränkt ist.

Kosten für den Energieausweis sind Verhandlungssache

Es existieren keine vom Gesetzgeber vorgeschrieben Grenzen für die Kosten. Die Anbieter orientieren sich in der Regel am Aufwand, der für die Berechnungen und die Analysen erforderlich ist. Kunden sollten daher einen Vergleich vornehmen, sodass Qualifikationen und Preise im Vorfeld in Erfahrung gebracht werden. Zudem muss darauf geachtet werden, dass alle gesetzlich vorgeschriebenen Inhalte im Ausweis enthalten sind. Unter anderem muss der Inhalt erläutert werden, damit der Ausweis auch von Nicht-Fachleuten verstanden werden kann.

Welche Faktoren wirken sich auf die Kosten für den Energieausweis aus?

Die bedarfsorientierte Berechnung ist teurer als die verbrauchsorientierte Berechnung, da der Aufwand größer ist. Der Energieexperte muss den Zustand der Heizung, der Fenster und der Wände berücksichtigen. Eine moderne Heizung verursacht wesentlich weniger Energiekosten als ein veraltetes Modell. Wurden Mehrfachverglasungen an den Fenstern eingebaut und liegt eine hochwertige Dämmung vor, dann reduziert sich der Verbrauch deutlich. All diese Einzelpunkte müssen bei der Begehung des Hauses sowie der Durchsicht der Unterlagen berücksichtigt werden. Dem höheren Aufwand bei der Erstellung des Energieausweises steht die höhere Aussagekraft des Berechnungsverfahrens entgegen.

Die durchschnittlichen Kosten in Abhängigkeit von der Immobilienart

Wird ein verbrauchsabhängiger Energieausweis erstellt, dann entstehen im Mittel Kosten in Höhe von 50 bis 100 Euro. Handelt es sich um ein größeres Objekt mit maximal sechs Wohneinheiten, sind laut DENA (Deutsche Energie-Agentur) rund 250 Euro üblich. Im Falle eines bedarfsorientierten Ausweises werden für ein Einfamilienhaus 300 bis 500 berechnet. Bei größeren Objekten setzen die Energieexperten oftmals eine Grundpauschale, beispielsweise 300 Euro, an und berechnen je Wohneinheit zusätzliche 50 Euro.

Quellen zum Thema Energieausweis:

https://www.verbraucherzentrale.de/energieausweis

https://www.bmwfw.gv.at/EnergieUndBergbau/Energieeffizienz/Seiten/Gebaeude.aspx

https://de.wikipedia.org/wiki/Energieausweis

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